Arbeitsklima/ Arbeitszeiten

"Arbeitsklima/ Arbeitszeiten"

Betriebs-/ Arbeitsklima und die Pause ist heilig!

Als ich Jörg im Juni 2007 besuchte - er wohnt auf dem Betriebsgelände - kam bei Ankunft ein Mann auf uns zu. Mein Mann stellte mich vor und der andere sagte:" Aha, Herzlich Willkommen! Wie gefällt es Dir in Schweden? Ich heiße Tord."
Auf meine Nachfrage erfuhr ich, dass ich soeben den Chef kennengelernt hatte.

Es ist schon gewöhnungsbedürftig für uns, wie locker die Menschen da bei der Arbeit (aber auch privat) miteinander umgehen. Es gibt keine förmliche Anrede, keine Titel - man sagt Du und nennt sich beim Vornamen, egal oben Chef oder Arbeiter, Arzt oder Patient, Lehrer oder Schüler. Die einzigen Ausnahmen sind die Königsfamilie und der Premier.

In den Betrieben gibt es keine so strenge Hierarchie wie in Deutschland. Im Allgemeinen können sich Arbeitnehmer mit Kommentaren, Fragen oder Anliegen direkt an ihren Chef wenden.
Ein Wort im Schwedischen heißt "lagom". Sinngemäß übersetzt, heißt es "genug, gerade richtig". Dieses Wort ist in schwedischen. Betrieben zur Lebensphilosophie geworden. Statt sich mit unnötigen Dingen auseinander zu setzen, konzentrieren sich Arbeitnehmer und viele Arbeitgeber darauf, genau und gut das zu tun, was nötig ist. Auf die Frage, wie viel Zeit habe ich für die Aufgabe, hört man "lagom" d.h.genau so viel Zeit, wie nötig ist!

Ein weiteres Wort, das jeder kennen sollte, der in Schweden arbeiten will, ist "fika" - die Kaffeepause. Sie dient der Entspannung und Kommunikation und wird 2-3 mal tägl. zelebriert. Die "Fika"-Pause ist heilig!

Mein Mann hatte schon Schwierigkeiten sich daran zu gewöhnen. Die Firma baute einen Parkplatz an einem Einkaufszentrum. Kantensteine wurden gesetzt und auf der geraden Strecke maschinell verfüllt, aber an einigen Bogen musste manuell verfüllt werden. Mein Mann nahm eine Schubkarre mit Beton und machte sich an die Arbeit. Nach kurzer Zeit, die Karre war noch knapp halb voll, tippte ein Kollege meinem Mann auf die Schulter und sagte auf schwedisch: “Hej, Jörg! Es ist Pause!" Dabei tippte er auf seine Uhr, die wenige Minuten nach 9 Uhr zeigte. Mein Mann sagte, er komme gleich, er wolle nur noch schnell den Beton verarbeiten. Darauf nahm der Schwede die Karre, kippte sie um, machte den Beton glatt und sagte:“ Nun bist Du fertig! Pause!"
Man ist auch immer gut beraten, wenn man einen Schweden nicht bei seiner Fika-Pause stört.

Pünktlichkeit ist den Schweden sehr wichtig. Schwedische Arbeitnehmer kommen und gehen gewöhnlich ohne Verspätung und halten ihre "fika" zu festgesetzten Zeiten. Überstunden werden nur gemacht, wenn es wirklich unvermeidlich ist und sie werden natürlich bezahlt.
Aber Vorsicht, wenn einer sagt, er hätte noch einen Termin und will sich danach gegen 19 Uhr mit Dir treffen. Da kann es leicht 20 Uhr werden und das ist dann eben "lagom"!

Wenn sich das auch alles sehr locker anhört, es wird mehr geschafft. In der verbleibenden Arbeitszeit arbeiten die Schweden ohne Druck und Stress und sind dabei gut motiviert.
Und glaubt mir, man kann sich daran gewöhnen.

 

Flexible Arbeitszeiten

Nach einer Erhebung der EU gehört Schweden zu den Ländern mit den flexibelsten Arbeitszeiten in Europa. Mehr als die Hälfte der schwedischen Arbeitgeber gestatten ihren Beschäftigten, die Arbeitszeiten in einem gewissen Grad flexibel zu gestalten. Die Arbeitnehmer können so mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, früher Schluss machen, um ins Fitnesszentrum zu gehen oder einfach länger im Bett bleiben.
Nun ist das nicht etwa eine neue Errungenschaft.
In den 60er Jahren wurden flexible Arbeitszeiten zunächst unter dem Druck der Gewerkschaften eingeführt. Aber die Arbeitgeber erkannten bald die Vorzüge: höhere Produktivität, weniger Fehlzeiten und zufriedenere Mitarbeiter. Die normale Arbeitszeit war in Schweden 9-17 Uhr. Die Zeitrahmen sind nicht einheitlich. Ein Göteborger Telekommunikationunternehmen gestattet seinen Beschäftigten, die Arbeitszeit frei zwischen 8-20 Uhr zu wählen, wenn sie pro Tag 7,75 Stunden arbeiten. Mehrzeiten können auf einem Arbeitszeitkonto angesammelt werden und dann verwendet, wenn zusätzliche Freizeit gebraucht wird.
Selbst beim Skatteverket - der schwedischen Finanzbehörde können die meisten Mitarbeiter ihre Arbeitszeit wählen. Sie können zwischen 7 und 9 Uhr anfangen und ihre Arbeit zwischen 15 und 19 Uhr beenden. Natürlich sind solche Regelungen nicht in allen Bereichen möglich, so Produktion mit Schichtarbeit und Gesundheitswesen.

Wenn also flexible Arbeitszeiten zu einer höheren Produktivität führen, wäre das nicht auch etwas für müde Teenager, denen in der Schule die Motivation fehlt?
Ca 20 Schulen in Schweden haben ein flexibles Zeitsystem eingeführt, das den Schülern eine gewisse Flexibilität bei den Anfangszeiten ihres Schultages erlaubt. Die Ergebnisse waren positiv und weitere Schulen erwägen eine Einführung.
Dabei muss man erwähnen, dass das schwedische Schulsystem zu den besten, und das nicht nur in Europa, gehört.

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