Jörg arbeitet in Schweden

"Jörg arbeitet in Schweden"



Im täglichen Leben wie beim Einkaufen kam Jörg mit seinen Sprachkenntnissen schon recht gut klar und mit seinem Chef konnte er sich verständigen. Natürlich musste er immer wieder bremsen, wenn die Schweden zu schnell für ihn waren, aber sie erkennen auch an, wenn man sich ehrlich bemüht, die Sprache zu lernen und helfen, indem sie Fehler sofort verbessern.

Jörg ist gelernter Baumaschinist und hat dazu während seiner Arbeit in der Entsorgung alle dort eingesetzten Fahrzeuge gefahren. Dazu kommt, dass er als gelernter DDR-Bürger auch sonst viel am Haus, am Auto u.a. selbst gemacht hat.

Schwedische Arbeitgeber sind auch an Fähigkeiten interessiert, die man erworben hat, für die man aber kein Ticket vorweisen kann. Man sollte bei einer Bewerbung in Schweden solche Kenntnisse nicht unerwähnt lassen (wenn man z.B. einem Freund oder Verwandten beim Hausbau geholfen hat u.ä.)

Baufirmen in Schweden liefern Komplettleistung und trennen den Bau nicht in Gewerke, wie das in Deutschland üblich ist und es werden alle Arbeiten erledigt, die anfallen. So muss man eben als Maurer mit auf's Dach usw.

Zunächst lief für uns alles optimal. Jörg wurde von seinem Praktikumsbetrieb eingestellt, aber die finanziellen Erwartungen wurden nicht erfüllt. Er konnte gerade soviel heraushandeln, wie er vor seiner Arbeitslosigkeit in Deutschland hatte. Doch wir sagten uns,es ist wichtig, einen Fuss in die Tür zu bekommen und es war allemal mehr als Arbeitslosengeld.
Außerdem war wichtig, dass Jörg wieder arbeiten konnte, dass er gebraucht wurde.

Da der Betrieb auch Aufträge für die Kommune erledigte, fielen natürlich sehr viele verschiedene Arbeiten an.
Das hat Jörg  gefallen. Es war interessant und abwechslungsreich. Er hat Baumaschinen und LKW gefahren, hat einen Pferdestall aus Fertigteilen aufgebaut, Kantensteine an einem Parkplatz gesetzt, im Winter Sträucher ausgeschnitten, Rohr geschnitten, Bäume gefällt, Holzbrücken durch's Moor oder über Bäche gebaut, damit im Reservat die Wanderwege bequem sind.Er hat Grillplätze und Wetterhütten errichtet, Wanderwege markiert, Windbruch weggeräumt.




 
Am besten hat ihm die Arbeit im Reservat gefallen, den ganzen Tag in freier Natur, und da hatte er bei der Arbeit auch seine erste Begegnung mit einem Elch, einem jungen Elchbullen, der sich an mehreren Tagen zeigte, als wollte er nachschauen, wie sie mit der Arbeit voran kamen. Diese Tiere sind schon beeindruckend und nichts ist schöner als Wildtiere so vertraut zu erleben.

In dieser Zeit konnte Jörg viele Tierbeobachtungen machen. Er sah Fasane, fand im Schnee Fährten von Elchen, anderen Hirschen, vom Luchs und Auerwild. Am Wochenende arbeitete er mehrmals auf der Crossbahn seines Chef's in Falet und wurde dann auch mit zur Jagd genommen. Alle Überstunden wurden bezahlt und er hatte ja nichts Besseres vor.

Die Entfernung nach Hause ist ca. 700 km Strasse und die Fähre von Saßnitz nach Trelleborg. Da vergehen schon zwei Tage nur für die Her- und Rückfahrt und die Kosten sind auch nicht gerade gering bei den Benzinpreisen. Wir sahen uns im Abstand von 8 bist 12 Wochen und das war für uns beide nicht einfach. Wenn Jörg allein in seinem Wohnwagen saß, in dem er immer noch wohnte, kam schon manchmal das Heinweh. Da hat uns geholfen, dass er Zugang zum Internet des Betriebes bekam und wir uns täglich via Skype über Internet sehen und unterhalten konnten.

Von Jörgs Arbeitgeber fehlte die Unterstützung bei den nötigen Behördenkontakten, was nicht typisch für Schweden ist. So musste Jörg die Bürokratie selbst in Angriff nehmen. Er schaffte es nachdem er die Sprache immer besser beherrschte und auch erste Freundschaften geknüpft hatte. Damit hat er aber sehr viel Zeit verloren, wenn man bedenkt, dass man
in Schweden ohne Personennummer nichts machen kann.

Man kann kein Auto kaufen, keine Versicherung abschließen, keine Wohnung beantragen, kein Konto bei einer Bank eröffnen, man kann überhaupt keine Verträge abschliessen und hat den Eindruck, man existiert überhaupt nicht.

Die Personennummer kam und kam nicht. Und dann stellte sich heraus, dass die Bearbeiterin im skatteverket
( Finanzbehörde und in Schweden auch zuständig für das Meldewesen)
Jörg einfach falsch verstanden hatte. Er meinte gesagt zu haben, dass er länger als 12 Monate im Land bleiben wollte, sie hatte verstanden, dass er nicht 12 Monate im Land bleiben wollte und da braucht man keine Personennummer.
Letztendlich schaffte ein Telefonat Klarheit und Jörg erhielt seine Personennummer.

Je mehr Jörg die Sprache verstand, um so mehr gewann er Einblick in sein Umfeld und er merkte schnell, dass er an ein "schwarzes Schaf" unter den Arbeitgebern in Schweden geraten war.
Sein Chef lebte in Thailand lieber sein Herzinfarktrisiko aus, als sich um Aufträge zu bemühen und legte sich außerdem noch mit der Gewerkschaft, die in Schweden viel Einfluß besitzt, an.
Kurz vor Weihnachten 2006 kamen dann die ersten Entlassungen. Jörg wurde zwar nicht entlassen, wurde aber in unbezahlten Urlaub geschickt. Er sollte jedoch nicht gleich nach Hause fahren, sondern  sich bereit halten,
falls Aufträge kämen. Die Pleite war abzusehen. Von Januar bis Juni 2007 konnte die Firma noch einmal für die Kommune in Kungsängen im Reservat arbeiten, dann kam Kurzarbeit, im Juli war keine Arbeit mehr da.

Zum Glück hatte Jörg in seiner Freizeit schon seit einiger Zeit bei einer benachbarten Autoverschrottungsfirma mitgeholfen. Nun konnte er auf Honorarbasis da arbeiten. Hier lernte er einen Serben kennen, der eine
Zeitarbeitsfirma geründet hatte und Kraftfahrer an die städtischen Entsorgungsbetriebe in Stockholm vermittelte.
Jörg wechselte den Job im Juli 2007 und arbeitete nun für "Sita" und "Ragna Sells", die größten Entsorgungsbetriebe in Stockholm.
Das war die Arbeit, die er aus Deutschland kannte und er lebte sich schnell ein. Allerdings musste er ständig von Standort zu Standort springen und hatte nie lange die gleichen Kollegen, aber der Verdienst war sehr gut.

Nun hatte Jörg ein Problem. Er musste natürlich den Wohnwagen räumen und eine Wohnung war noch nicht in Sicht. Aber wieder einmal hatte er Glück. Sein Freund Aurel, ein Rumäne, bewohnte auf dem Gelände der Schrottfirma eine kleine Baracke. Mit Hilfe des Betriebes erhielt dieser gerade zu dieser Zeit eine Wohnung. Der Chef war nicht abgeneigt, Jörg die Baracke für eine kleine Miete vorübergehend zu überlassen. Da die Außendämmung reparaturbedürftig war, sollte Jörg einen Zimmermann besorgen.
"Wozu einen Zimmermann?" so Jörg "Das kann ich doch machen!"
Und so reparierte Jörg in seiner Freizeit die Baracke.





Der Chef war begeistert. Miete hat Jörg nicht  zahlen müssen und im Vergleich mit dem Wohnwagen lebte er jetzt richtig gemütlich. Er hatte ein Zimmer von ca. 20 qm, eine kleine Küche und ein Innen-WC mit Waschbecken und eine kleine Waschmaschine, die von Aurel dageblieben war.

Wir suchten nach einem Haus im Umland von Bro zu mieten. Aber das ist nicht so einfach. Wenn wir ein Haus fanden, welches wir uns leisten konnten, so wollten die Besitzer keine Haustiere. Unsere beiden Hunde wollten wir aber gern mitnehmen. Wir suchten im Internet, durchblätterten Zeitungen. Alle unsere Bekannten schickten wir in die Spur, bisher leider vergebens..

Während des Sommers hatte Jörg mehr als genug Arbeit. Tag für Tag fuhr er für die Entsorgung in Stockholm. War er rechtzeitig zurück, fuhr er noch ein bis zwei Touren für die Schrottfirma oder arbeitete an der Baracke. An den Wochenenden ging es bei gutem Wetter nach Adö oder Frölunda zum Angeln. Nur selten kam er ohne Fang zurück.
 
Der Nachteil bei einer Zeitfirma ist, dass nur Geld kommt, wenn Arbeit da ist. Ende September ging dann der Ärger los. Es waren nicht mehr so viele Aufträge da und Jörg saß bis zu einer Woche ohne Arbeit.
Logischer Weise bekam er auch nicht mehr so viel Lohn. In seiner jetzt reichlichen Freizeit fuhr er wieder für die Schrottfirma. Hier bekam man natürlich auch mit, dass Jörgs Job nicht optimal lief.
 
Und wieder einmal meinte es das Glück gut mit uns. Ende November boten die Chefs der Schrottfirma Jörg einen Arbeitsvertrag an. Sie kannten ihn und seine Arbeit ja lange genug. Wir haben nicht lange überlegt. Seit dem 01.12.2007 arbeitet Jörg als Kraftfahrer bei der Schrottfirma und ist sehr zufrieden.
 
Wir haben alle Unterstützung, die wir brauchen. Im Januar wurde es dann etwas eng mit der Wohnung, wollte ich doch Ende Januar nach Schweden kommen. Innerhalb von 3 Wochen konnte Jörg einen Mietvertrag unterschreiben, nachdem die Firma Druck gemacht hatte



 

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