Der letzte Schritt

 

Der letzte Schritt

 

Der Kalender zeigt den 29. Januar. Die Taschen sind gepackt. Morgen ist es so weit. Der Zug soll mich um 4.36 Uhr nach Berlin zum Flugplatz bringen. Stefan, der Freund meiner jüngsten Tochter, wird mich die 27 km zum Bahnhof nach Greifswald fahren.

Ich bin aufgeregt. Schlafen kann ich nicht, also surfe ich bis 02.30 Uhr im Internet. Dann schnell noch einen Kaffee getrunken, essen geht nicht. Kurz vor 04.00 Uhr fahren wir los. Nichts vergessen? Nein, ich glaube nicht! Am Bahnhof angekommen, bringt mich Stefan noch auf den Bahnsteig. Ein großer Koffer, eine Reisetasche, ein Beutel und meine Handtasche sind eine Menge Gepäck, dabei habe ich schon reduziert. Wir kommen ja im April zurück, um mein Auto zu holen, da kann noch eine Menge Sachen mit. Wir fahren dann mit zwei Autos nach Schweden. Ich verabschiede mich von Stefan, denn ich mag keinen Abschied am Zug.

 

              

 

Nach etwa 15 Minuten fährt der Zug ein. Ich schleppe meine Sachen in ein Abteil. Der Zug ist noch fast leer. Fast unbemerkt setzt er sich in Bewegung. Die große endgültige Reise hat begonnen.

Ich schaue aus dem Fenster, kann aber nicht viel sehen. Ab und zu huschen Lichter vorbei, nur wenige Fenster in den Häusern sind erleuchtet. Langsam füllt sich der Zug. Die ersten Menschen fahren zu ihren Arbeitsplätzen mit noch müden Gesichtern. Einige nutzen die Fahrt, um noch etwas Schlaf nachzuholen. Ab Pasewalk wird der Zug dann richtig voll mit Berlinpendlern.

Ich erreiche Berlin-Hauptbahnhof. Nun heisst es für mich, mit meinem ganzen Gepäck in 8 Minuten von der untersten Etage nach oben zur S-Bahn zu kommen. Aber das geht über die Rolltreppen leichter als ich dachte. Um mich ist Hast und Eile. Die Taschen werden immer schwerer. Nur noch bis zum S-Bahnsteig, dann habe ich es geschafft. Ich erreiche den Bahnsteig nach 5 Minuten, also noch warten. Dann endlich stehe ich in der übervollen S-Bahn nach Schoenefeld.

Um 8.37 Uhr bin ich in Berlin-Schönefeld angekommen. Ich suche nach einem Gepäckwagen, leider vergebens. Doch jetzt habe ich Zeit. Der Flieger geht 10.40 Uhr ab Terminal C. Am Bahnhofsausgang steht ein verlassener Gepäckwagen und wartet auf mich. Hurra!!!

Jetzt kann ich erst einmal verschnaufen und stecke mir eine Zigarette an, die erste seit Greifswald. Dann schiebe ich langsam meinen Wagen über den Verbindungsweg zum Flughafen.

Aber heute scheint nicht mein Tag zu sein. Der Schalter von Germanwings ist noch geschlossen. Langsam vergrößert sich die Schlange der Wartenden. Als dann endlich zwei Schalter öffnen, geht es nur zögerlich weiter. Fast jeder Passagier hat irgendwelche Probleme beim Check In.

Die beiden Angler vor mir treten zur Seite, versuchen ihr Gepäck anders zu verteilen. Ich bin endlich dran. Mein Gepäck ist 2 kg zu schwer, also zum Service-Schalter und 14 Euro nachlöhnen. Nun darf ich einchecken. Ich habe die Bordingnummer 11.

Bis zum Bording ist noch über eine Stunde Zeit, also gehe ich noch einmal vor die Tür.

Dann schlendere ich zur Kontrolle.

Heute ist wohl hier Großeinsatz? Ich reihe mich ein und beobachte die Gründlichkeit der heutigen Kontrolle. Was kann mir schon passieren? Ich stelle mein Handgepäck auf das Band, lege Mantel und Handtasche  in den Korb und frage , ob ich meinen Gürtel, der mit Nieten besetzt ist, abnehmen soll. Ja, ich möchte ihn bitte abnehmen. Na und, die Hose hält auch so. Dann durchschreite ich das Kontrolltor. Es piept wie verrückt!

Ich werde gescannt. Alles in Ordnung! Oder? Eine Beamtin kommt auf mich zu und fragt mich, wieviele Feuerzeuge ich dabei habe. Keine Ahnung! Sie meint, es wären mindestens sieben. Ich krame meine Handtasche durch, finde sechs Feuerzeuge. Die Tasche wird noch mal durchleuchtet. Aha, eins hat sich in einer Aufsatztasche versteckt. Ich darf mir eins aussuchen, welches ich behalten möchte. Von dem Rest verabschiede ich mich. Sie wandern in die Tonne. Na und? Es gibt Schlimmeres!

 

Nun heißt es warten, bis zum Abflug sind es noch gute 50 Minuten. Ich versuche zu lesen. Fehlanzeige! Ich kann mich nicht konzentrieren. Also lenke ich mich ab, indem ich meine Mitreisenden beobachte. Eine alte Frau spricht mich an. Sie ist Deutsche und fliegt zurück nach Schweden, wo sie schon über 30 Jahre lebt. Sie wünscht mir viel Glück und meint, ich würde meinen Schritt bestimmt nicht bereuen.

 

Die Zeit ist ja wie angestemmt! Sie will überhaupt nicht vergehen. Dann 10.34 Uhr ist die Maschine endlich da. Das gibt kein pünktliches Bording, aber 10.50 Uhr ist es dann endlich soweit. Mit meiner niedrigen Bordingnummer bin ich bei den ersten im Flugzeug. Ich habe einen Fensterplatz. Der Flieger ist fast voll. Langsam rollt er an und wir absolvieren das übliche Programm, Begrüßung an Bord und die Vorstellung der Stewardessen zur Sicherheit.

 

Endlich rollen wir schneller, wir haben die Startbahn erreicht und die Turbinen brüllen. Dann heben wir ab, das Fahrstuhlgefühl im Bauch stellt sich ein, jedes Mal wieder. Ich sehe nach draußen. Berlin versinkt unter mir, die Häuser werden immer kleiner und dann sind wir über den Wolken. Die Sonne blendet und unter uns die Wolken sehen aus wie ein Meer von Zuckerwatte.

 

Als der Flugkapitän sich meldet, haben wir Bornholm erreicht. Alles in Ordnung. Die Verspätung ist aufgeholt. Wir werden pünktlich in Arlanda landen.

 

 

 

Hier wird noch gebaut!

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